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Seit wann feiern Dinosaurier Halloween


Ist es Pornographie? Nein. Ist es Mainstream? Definitiv nicht. Ist es Kunst? Auch nicht. Es ist ein Traum. Es ist eine surreale Reise in einen Traum, der Realität mit illustrer Fantasie literarisch verschmelzt und die Grenzen zwischen Sinn und Irrsinn elegant bis in die Unendlichkeit verwischt.

 

Es einen Film zu nennen ist fast schon eine Beleidigung, den Film unterhält. "Lucía und der Sex" lädt ein und lässt uns daran teilhaben, wie sich die Story peu à peu selbst auflöst und die Stücke wieder separat in einer anderen Reihenfolge zusammensetzt.

 

Man ist einer psychedelischen Macht ausgeliefert, die unseren Verstand instinktiv manipuliert und uns somit daran hindert, der Geschichte jeglichen Verlust von Realität vorzuwerfen. Nein, das ist ganz bestimmt kein Film. Sowas träumt man. 

Regisseur Julio Medem erzählt eine ganz objektive Geschichte, die von einem Schriftsteller namens Lorenzo (Tristán Ulloa) handelt, der eine tragische Geschichte zu Papier bringt, welche jedoch zugleich auch der Realität entspricht, sich wiederum davon inspirieren lässt, um die Wirklichkeit in eine andere Bahn zu lenken. Es ist unmöglich, das Vorgehen in Worte zu fassen. Es würde Romane füllen, um der Komplexität des Surrealismus gerecht zu werden. Dieses Werk muss man erleben und selbst erfassen, auf Papier würde es niemals die selbe bahnbrechende Faszination ausstrahlen. Um ehrlich zu sein, hört es sich auf Papier relativ langweilig und auch lächerlich an. Oder wie findet ihr das? Ein Schriftsteller schreibt eine Geschichte, die wahr wird. Er schläft mit 3 Frauen, die alle etwas miteinander zu tun haben, auch von sich wissen, aber nichts unternehmen, selbst nachdem sie voneinander erfahren, dass sie alle den selben Mann im Bette hatten. Das klingt doch nach einem Schmuddelfilm, nicht wahr? Ist es aber nicht. Es kommt nicht von ungefähr, dass dem Film von Kulturbanausen Pornographie vorgeworfen wird. Natürlich wird es explizit. Natürlich sind die Akteure häufig nackt. Und natürlich verläuft der Geschlechtsakt nicht so prüde wie in den Staaten. Nahaufnahmen vom männlichen Glied oder das Stimulieren sämtlicher weiblicher Körperteile sind in diesem Werk keine Ausnahme. Vor allem am Anfang des Films. Apropos Anfang. Den gibt es gar nicht. Es gibt auch kein Ende. Es gibt kein Mittelteil. Es gibt nichts. Es ist ein Traum. Und seit wann beginnt ein Traum? Ist man nicht von vornerein mittendrin? Der Film läuft nicht chronologisch ab, was aber keine Verminderung der Konzentration darstellen sollte. Denn seien wir mal ehrlich. Chronologisch aufgebaute Filme sind doch eintönig, da sie schnell vorhersehbar werden und nur deswegen erfunden wurden, um das nichtdenkende Mainstream-Publikum nicht zu überforden. Ein Film, der durchgewürfelt erscheint und in dem sich die einzelnen Szenen erst gen Ende zu einem Ganzen zusammentun, fordert doch viel mehr die Geduld des Zuschauers, was gleichzeitig aber auch viel mehr Raum für eigene Interpretationen bereit hält.

 

Interpretation. Guter Stichpunkt. Ich versuch mich kurzzufassen. Lorenzos Figur spielt in dem Film weitgehend eine literarische Funktion. Der Geschlechtsakt mit den Frauen, findet nicht in der Realität statt. Eigentlich schon, aber die tatsächliche Person, die den weiblichen Protagonisten zum Höhepunkt bringt, ist die Romanfigur von Lorenzo, der jedoch seine Seele widerspiegelt. Einzig seine Freundin Lucía (Paz Vega) schläft mit dem realen Lorenzo. Wird aber eifersüchtig, als sie in seinem Roman zu lesen bekommt, dass der literarische Lorenzo mal wieder ein anderes weibliches Wesen beglückt hatte. Demnach kann man schlussfolgern, dass selbst Lucía nur mit der Romanfigur zusammen ist. Ich gebe zu, das ist etwas konfus und schwer nachzuvollziehen, aber es erscheint logisch, da der Film sich nach dem fiktiven Roman von Lorenzo richtet, und der gesamte Storyverlauf darauf hinaus geht, dass Lorenzo den Roman abbricht, um der Realität mehr Beachtung zu schenken, die jedoch nur ein Abbild seiner literarischen Welt ist. 

 

 

Da gibt es die Insel, von der immer wieder gesprochen wird. Es gibt sie wirklich, aber sie ist auch der psychische Rückzug aller Beteiligten. Die Insel bietet Hoffnung und lässt uns alle Sorgen vergessen. Sie ist existent im Film, spielt aber mehr eine metaphorische Rolle, da sie wie ein schwimmendes Land bezeichnet wird, das durch die ganze Welt wandert. Es wackelt auch. Man wird seekrank. Man merkt, die Insel lebt, sie wandert, sie ist nicht fest. Es gibt auch keine Klippen und Felsen. Nur den Krebs, dem gen Ende der reale Mord an den literarischen Tötungen vorgeworfen wird, da sie ja dennoch echt sind, da die Literatur und die Realität sich in Julio Medems Werk nichts schenken. 

 

-Wenn die Geschichte zu Ende ist, hört sie nicht etwa auf, sondern fällt in ein Loch und tauch mittendrin wieder auf!-

 

Ein Zitat aus dem Film, das das Werk treffend beschreibt. Der Film hört nicht auf, selbst wenn nach 2 Stunden die End Credits eintreffen (welche wohlbemerkt rückwärts ablaufen!). Das Ende ist die Anknüpfung zu einem Mittelteil des Films, der sich aus dem Intro entwickelt, welches ja nur eine Rückblende ist. So gesehen ist der Schluss der kinetische Anfang, wobei vorallem gerade im zweiten Akt viel mit dem Ende gespielt wird. 

Man sieht also, aufgepasst! Wer den Film sehen will und wird, muss sich ein Stück Papier und einen Bleistift zur Hand nehmen und alles notieren, was einem aufhält. Kein Detail ist unbegründet. Alles ergibt einen Sinn. Selbst wenn das Ende für Mainstreamler ominös erscheinen mag, ist es gerade für Filmkenner eher enttäuschend, das es in gewisser Weise ein Happy-End ist, obwohl es ja nicht das reale Finale der Story ist, die ja gar kein Ende finden wird. 

Was man dem Film dennoch vorwerfen kann, ist das gerade gen Ende etwas viel aufgelöst wird, was natürlich den Raum für eigene Interpretationen etwas einengt. Zwar steigt so stetig die Spannung, jedoch kommt es einem so vor, als fühle sich Julio Medem verpflichtet, wenigstens etwas Licht ins "Dunkle" zu bringen, was eigentlich gar nicht nötig gewesen wäre. Denn gibt es nichts schöneres, als einen Film, der offen abgeschlossen wird? Filmkenner denken ich wissen, was ich meine. Es wäre doch wohl auch sehr enttäuschend gewesen, wenn in Richard Kellys "Donnie Darko" plötzlich am Ende für alle Probleme eine Lösung gefunden worden wäre, oder?

 

Der Sex spielt mehrere Rollen. Es ist unmöglich, ihm nur eine Funktion des Geschehens anzuheften. Mit dem Sex steht und fällt Medems Werk, allerdings ist es nicht auf den Akt an sich ausgerichtet, sondern der Hintergrund, weswegen er vollzogen wird. Und um das zu verstehen, sollte man doch ein klein wenig erfahren sein, sonst ist man dem Film von Julio Medem hilflos ausgeliefert. Er ist nicht kontrovers. Und auch nicht sehr schwer zu verstehen. Nur die Metapher dahinter und die literarische Parallelwelt, sind nur schwer aufzunehmen, da sie nicht genannt werden, sondern schon Bestandteil des gesamtem Films sind. Und wenn man den Film eben nicht versteht, erscheint er zwar optisch einmalig, aber inhaltlich verworren und sehr selbstverliebt, was er aber nicht verdient hätte.

Kein Film sorge für mehr Aufregung im Jahre 2005 als dieser australische Low-Budget-Reißer von Greg McLean, der sich jüngst mit seinem Killerkrokodil „Rogue“ dem Tierhorrorgenre zuwandte.

 

Nach wahren Begebenheiten entstand der Film angeblich. Ein Trick, der nicht neu ist, um von vorne rein das Publikum schon für sich zu gewinnen. Nach demselben Prinzip vermarktete schon Tobe Hooper im Jahre 1974 seinen „Texas Chainsaw Massacre“. Genauso dessen Remake aus dem Jahre 2003. Doch wie so oft ist entweder gar nichts oder nur ein Hauch davon Realität. Was den spekulativen Wahrheitsgehalt von „Wolf Creek“ angeht, ist hier tatsächlich mehr wahr als anfangs vermutet. Zwar ist die Story wie im Film erzählt rein fiktiv, deren Morde jedoch nicht. Regisseur Greg McLean vermischte mehrere Morde zu einem Mehrfachmord. Auch agiert sein ganz persönlicher „Serienkiller“ ähnlich nach den Mustern der „Vorbilder“.

 

as war es dann eigentlich auch schon mit dem Wahrheitsgehalt. Doch das reicht schon um Interesse zu wecken. Das australische Kino ist eher unbekannt in Deutschland, allerhöchstens „Crocodille Dundee“ mag dem ein oder anderen etwas sagen. Doch nun wollen es die Australier wissen und legen einen Folterfilm vor, der seinesgleichen sucht. Mit dem globalisierungssatirischen Folterschocker „Hostel“ wurde er von diversen Kritikern verglichen. „Fast so gemein wie – aber besser als Hostel“ warb eine lokale TV-Zeitschrift. Doch wie viel Folter und „Hostel“ steckt wirklich hinter „Wolf Creek“? Wird er Eli Roths Kassenschlager gerecht? Oder ist es doch nur wieder ein gewagter Versuch, etwas Neues zu erfinden?

Liz, Kristy und Ben sind 3 junge Erwachsene, welche in Australien Urlaub machen wollen. Liz und Kristy kommen aus Großbritannien, Ben ist ein „Einheimischer“. Er kommt aus der „Hauptstadt“ Sydney. Wie sie sich kennen gelernt haben, wird nicht erzählt, jedoch scheinen sie sich relativ gut zu kennen und sie beschließen, den berüchtigten Kometenkrater „Wolf Creek“ zu besichtigen. Alles läuft gut, bis auf ein wenig Regen und der langen Fahrt ist die Stimmung fröhlich und lebensbejahend. Doch sobald die 3 wieder zurückkehren wollen, ist es aus mit der Freude. Ihr Wagen springt nicht an, irgendetwas stimmt mit dem Motor nicht. Urplötzlich erscheint Hilfe. Mick Taylor bietet ihnen an, bei sich „zu Hause“ den Wagen zu richten. Nach kurzem Überlegen willigen sie ein und folgen ihm. Doch was sie dort erwartet, hätte wahrhaftig keiner von ihnen gedacht. 

 

Die Story ist ziemlich schnell und selbsterklärend erzählt, anzumerken wäre noch, dass das eigentlich Intro, sprich die Titeleinblendung und die Auflistung der Cast & Crew erst nach knapp 8 Minuten erscheint. In diesen ersten 8 Minuten baut McLean die Charaktere der Protagonisten auf, was ihm einigermaßen auch gut gelingt. Nur macht der Film gerade anfangs rein optisch den Eindruck einem US-Teenslasher-Movie wirklich alle Ehre. Perfekte Körper, glatt polierte Optik und Seifenoperdialoge. Zum Glück gibt sich McLean nicht damit zufrieden und schmückt den Einstieg noch mit hübschen Naturaufnahmen der australischen Landschaft. Doch sobald der Titel „Wolf Creek“ den Bildschirm schmückt ist es aus mit der unbeabsichtigten US-Teenslasher-Hommage.

Wie die Inhaltsbeschreibung schon verrät, spielen hier sehr wenige Schauspieler mit. Genau genommen gibt es 4 Hauptdarsteller und eine Handvoll Nebendarsteller, die zwar zwangsweise nicht den Fortgang der Story bestimmen, aber auch nicht gänzlich unnötig gewählt worden. In der ersten halben Stunde baut McLean gekonnt eine psychedelische Atmosphäre auf, die sehr von der sparsam als auch sehr schlicht gewählten Musikauswahl unterstützt wird. Im amüsanten Audiokommentar der Macher erfährt man, dass gerade die Musik eine sehr wichtige Rolle spielt, aber gerade die eher improvisiert erstellt wurde. Die besteht meist nur aus unaufwendigen Tonlagen und größtenteils auch nur aus bizarren Soundeffekten, die an das Terrorkino der 70er/80er Jahre erinnert; aber auch Kenner des jüngeren europäischen Horrorkinos werden just an Alexandre Aja’s „High Tension“ denken. 

 

Erstaunlich ist vor allem, dass gerade das unwichtige „Gelaber“ der ersten halben Stunde sowie deren diffizil aufgearbeiteten Liebespart sehr schön zur Atmosphäre beisteuern. Ein Hauptpunkt ist vor allem die undadaistische Vorhergehensweise des Regisseurs der Vorkommnisse. Es macht alles Sinn. Es hat alles seinen korrekten Ablauf. Man fühlt sich beinahe sogar wie in einer Dokumentation, da das Spiel der 3 Freunde authentisch und überzeugend rüberkommt. Auch wenn die Dialoge eher Standard als meisterhaft sind, hört man dem sinnlosen Gelaber gerne zu, auch wenn es den ein oder anderen negativ aufstoßen mag. 

Bis zu diesem Punkt scheint der Film solide und gut. Auch nett anzusehen ist die Anspielung auf UFO-Entführungen. McLean hatte wohl vor, dem Zuschauer damit in den Bann zu ziehen und im entscheidenden Augenblick jenes auch zu schocken, doch das ging gehörig in die Hose.

Die 2. Hälfte muss leider sehr viel an der starken Atmosphäre einbüßen. Man macht nun Bekanntschaft mit Mick Taylor, der sich als eine art „Zigeuner“ herausstellt. Jedoch steckt hinter dieser Maskerade ein bestialisches Monster. Dem Film wird eine krasse Wendung spendiert. Wer das nervlich nicht aushält sollte den Rest meiden. Der Audiokommentar verrät indes, dass sogar einige Leute ab diesem Punkt den Kinosaal verließen. Hier gelangt man quasi zum „Hostel“-Part. Die erste wird gefoltert. Man sieht sie gefesselt, doch sie ist wach. Mick spielt mit ihr im Grunde. Provoziert und verurteilt zugleich. Der Zuschauer muss alles erleiden, da die Kamera konsequent das Geschehen filmt – bis zum interpretationslastigem Ende. Es wird blutig, es wird grausam. Und eklig teilweise auch. Dazu gehört nicht nur das Abhacken der Finger im Sekundentakt. Was jedoch sehr kontrovers aufgenommen wurde, sind die Gründe und Beweggründe des Täters. Es gibt nämlich keine. Jedenfalls hielt es McLean für nicht nötig, welche zu erläutern. Während in gängigen US-Serienkillerfilmen fast schon negativistisch proklamierend die Beweggründe offensichtlich auf dem Tisch präsentiert werden, ist dieser Film sehr verschlossen. Man erfährt nichts – und wird auch nie was erfahren. Jeder darf selbst interpretieren – sofern es überhaupt etwas zu interpretieren gibt. Denn ab diesem Zeitpunkt, als klar wird, dass es der Täter ernst meint, setzt der Film auf plakativ-drastische Folterszenen, die zwar Zartbesaitete sehr schnell ekeln können, aber im Grunde doch keine Erneuerung des Genres sind. 

Nett anzumerken jedoch ist, dass McLean mit dem Publikum spielt und die Genres auf dem Kopf stellen. Im Grunde schon fest verankerte US-Horrorfilm-Klischees werden gnadenlos aufgebrochen und auf den Kopf gestellt – um einen besonderen Schockeffekt zu bewirken. Was teilweise auch ziemlich gut klingt. Doch bei all dem Versuch, Schockmomente und hastige Fluchtversuche zu inszenieren, hatte er anscheinend keinen Kopf mehr für die Outbreak-Atmosphäre. Schade eigentlich. Immerhin gelingt es im gen Ende wieder etwas Atmosphäre aufzubauen – und Steven Spielbergs „Duell“ wird ironisch Referenz erwiesen.

Was jedoch die religiös-veranlagte Kreuzigung von Ben hier zu suchen hat, ist fragwürdig. Da der Film in keinster Sekunde religiöse Ansichten auf irgendeine Art anspricht, sind das Ende und der Fluchtversuch von Ben besonders für Neueinsteiger sehr verwirrend. Was bedeutet seine Kreuzigung? Wieso muss er so leiden wie einst Jesus? Was will uns McLean damit sagen? Fragen über Fragen – doch keine Antwort. Der Film hält sich allgemein mit Antworten sehr zurück. Deswegen ist das Ende auch so interpretationslastig.

 

Greg McLeans Film ist ein spannendes Stück Survival-Schocker, doch mehr auch nicht. Die anfangs sehr stark und intensiv aufgebaute, naturalistische Atmosphäre trägt viel zur Grundstimmung bei, doch das Gemetzel am Ende nimmt dem Film viel von seinem Potenzial. Verstörung wurde hier viel hineinterpretiert. Verstörend kann man das Werk schon bezeichnen, doch bei Licht betrachtet ist es das keineswegs. Denn gerade weil er seinen Killer so vermummt und keinen Raum für Antworten lässt, bleibt die gewollte Verstörung auf der Strecke, da dadurch auch der solide Spannungsaufbau einige Durchhänger hat. Und reine, unkritische Folterszenen sind nicht immer verstörend. Das beweisen eindrucksvoll die „Saw“-Filme. Sie sind zwar krank und widerlich, aber nicht verstörend. Wer Verstörung zeigen will, muss etwas weitergehen als nur seine Opfer zu kreuzigen oder bis zur Verstümmelung zu jagen. „High Tension“ ist absolutes Verstörungskino – denn nach diesem Film hat sich der Film indirekt etwas orientiert. Das ist ihm zwar nicht gelungen, aber für Horrorfans ist der Film mehr als empfehlenswert, da die Folterszenen eben sehr drastisch sind und gerade deswegen für jene interessant sein können.

Tragisches Kino-Drama aus Frankreich

Dass Frankreichs Kino nur schwer Zugang zum Mainstream-Publikum findet, weiß man nicht erst seit Jean-Pierre Jeunet und Marc Caro mit „Delicatessen“ und „Stadt der verlorenen Kinder“ den französisch-typischen Surrealismus auf Film bannten.

 

Auch Gelegenheits-Hollywood-Regisseur Luc Besson präsentierte 1985 mit dem Neo-Noir-Krimi „Subway“, dass das französische Kino an sich eine grenzenüberschreitende Bereicherung eines jeden ernsthaften Cineasten ist.

 

Im neuen Jahrtausend spaltete sich jedoch das französische Kino in zwei Hälften. Auf der einen Seite entdeckten sie den Horrorfilm für sich, welcher mit Werken wie „High Tension“ und „Inside“ dem US-Horrorfilm im wahrsten Sinne des Wortes offenbarten, wie man richtig „die Sau rauslässt“. Auf der anderen Seite findet sich die sensible, aber gleichzeitig auch wunderschöne Kehrseite wider; der Liebesfilm, welcher in der heutigen Zeit jedoch (leider) vom jungen Publikum mit großer Distanz betrachtet wird.

 

 

Allerdings darf und sollte man auf keinem Fall den US-Liebesfilm mit dem europäisch-französischen Liebesfilm vergleichen! Das sind zwei komplett verschiedene Welten, die allerhöchstens den Begriff gemeinsam haben. 

„Water Lilies“ von Céline Sciamma schildert die Geschichte dreier junger Mädchen, welche alle mit ihren kleinen und größeren Problemen zu kämpfen haben. Marie (erschreckend nüchtern und unglaublich überzeugend dargestellt von Pauline Acquart) lebt mit ihrer besten Freundin Anne (Louise Blachère) in einem französischen Vorort eher introvertiert und zurückhaltend. Die beiden scheinen keine Geheimnisse voneinander zu habe, sie vertrauen sich alles an. Bis Floriane (Adele Haenel) in ihr Leben eintritt. Sie ist der Star der Jungs – ein modernes Sexsymbol, welche ihre körperliche (Früh-)Reife perfekt einzusetzen weiß. Allerdings, so erfährt man im Laufe des Films, hat noch kein Junge es geschafft, sie zu entjungfernen. Eine Tatsache, welche Floriane einerseits sehr bedauert und ein Stück weit auch fertig macht, andererseits fühlt sie sich dadurch wohler und sicherer in ihrem Handeln und Tun. 
 
Alles beginnt mit einer Vorführung im städtischen Hallenbad der Synchronschwimmerinnen, denen Floriane auch angehört. Marie verfolgt die imposanten Aktionen der Schwimmerinnen, scheint fasziniert und beeindruckt, wobei man als Zuschauer anfangs noch nicht ahnen kann, dass diese fast schon anhimmelnde Faszination vielleicht gar nicht dem Sport an sich gegolten hat. Sie will unbedingt bei einem Training dabei sein und zusehen, wie es da von statten geht. Marie, die eher schüchtern, zurückhaltend und emotionslos erscheint, wagt den Schritt und spricht die Anführerin an – Floriane, eine selbstbewusste, angesehene blonde, junge Frau. Sie darf allerdings nur für eine Gegenleistung das Training besichtigen – eine Gegenleistung in Form eines Alibis. Um sich mit ihrem „Freund“ heimlich zu treffen, erzählt sie ihrer Mutter, sie gehe mit ihrer neuen „Freundin“ Marie abends etwas raus – die nun als Lügenassistentin quasi dienen soll. Im Laufe des Films entsteht eine Art Beziehung zwischen Floriane und Marie, die immer wieder zwischen gnadenlose Ausnutzung und echter Freundschaft hin und her pendelt. Die verwirrte und einschüchternde Marie kann mit der Situation nicht immer umgehen, willigt dennoch immer wieder ein, egal was Floriane auch verlangt. Diese Beziehung geht dann sogar so weit, dass Floriane Marie irgendwann zu sich einlädt. Als Zuschauer hat man immer den Verdacht, Floriane würde etwas für Marie empfinden – und so denkt wahrscheinlich auch Marie, weil sie emotional immer verwirrter wird. Sie weiß nicht mehr, was real und was Spiel ist. Am liebsten würde sie Floriane für sich ganz alleine haben, vernachlässigt dafür sogar ihre beste Freundin Anne, bezeichnet sie als „Klotz am Bein“. Sie geht sogar so weit, den Müll von Floriane zu durchwühlen nur um an ihre weggeworfenen Sachen zu schnuppern – oder einen von ihr angebissenen Apfel zu verzehren. Man könnte meinen, dass ist wahre Liebe. Doch die Erwiderung bleibt stets aus. Sie gelangen zwar irgendwann zu einem Punkt, an dem Floriane Marie fragt, ob sie sie nicht Entjungernen möchte. Marie ist anfangs (verständlicherweise) geschockt, willigt später dennoch ein, als sie Floriane wieder mit einem anderen Jungen küssen gesehen hat. Eifersucht pur, das steht ihr wortwörtlich auf dem Gesicht geschrieben. 

 
Regisseurin Céline Sciamma erzählt die mitfühlende „Liebesgeschichte“ nüchtern und direkt. Der Fokus liegt hier ganz klar auf den wunderbar agierenden Schauspielerinnen, die sich nie gegenseitig an die Wand spielen. Präsentiert wird das Ganze in schlichten, aber gleichzeitig auch wunderschön-neutralen Bildern, welche die Ernsthaftigkeit der Thematik zusätzlich unterstreichen. Sciamma will nicht mahnen, nicht provozieren, nicht pädagogisch den Finger erheben – sie erzählt den Film stringend ohne jegliche Partei zu ergreifen. Das Thema Homosexualität im Jugendalter ist sicherlich keine Rarität. Besonders in jungen Jahren haben Mädchen Schwierigkeiten, ihre Sexualität zu akzeptieren oder gar zu erkennen – um dann zu entscheiden, welchem Geschlecht man sich schlussendlich hingezogen fühlt. Es ist keine Seltenheit, dass sich Mädchen in ihre beste Freundin verlieben. Das Thema Jungs wird jedoch weiterhin angesprochen, selbst wenn dann mehrmals Eifersucht die Zügel in die Hand nimmt. Bei Marie ist es jedoch etwas anders. Bisher nur von ihrer besten Freundin Anne akzeptiert, versucht sie, sich einen Platz als einzigartiges Individuum zu erkämpfen. Floriane scheint anfangs eine Rivalin, doch sieht Marie sie nicht als solche. Sie ist viel mehr Vorbildfunktion, flankierender Halt und Abschaum auf einmal. Die langsam sich entwickelte Beziehung zwischen den beiden ist glaubwürdig und nachvollziehend erzählt – was mit Sicherheit ein großer Verdienst der beiden Jungschauspielerinnen ist. Vor allem Pauline Acquart nimmt man die Rolle der vorsichtig agierenden Marie in jeder Sekunde ab. Die Idee war, die Gratwanderung und die Entwicklung der Mädchen so realistisch wie möglich zu machen. Und das ist vollends gelungen. Anders als der wunderschön-märchenhafte Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ verzichtet man hier bewusst auf jeglichen Surrealismus – auch ist die Farbkomposition eher monoton anstatt prächtig ausgefallen. Was kein Negativpunkt ist! Problematisch für Mainstreamler könnte die etwas sperrige Erzählweise werden, da eben jene  keinen flüssigen Lauf hat und die einzelnen Szenen eher mit schweigsamen und schlichten Momenten arbeitet, anstatt alles an die große Glocke zu hängen. Doch genau diese karge Inszenierung macht die alltäglichen und stets aktuellen Probleme der jungen Leute emotional nachvollziehbar um in seiner Einzigartigkeit stets die Neutralität zu bewahren – und um so die Schema F Konstellation zu vermeiden. 

 „Water Lilies“ schildert die Entwicklung eines jungen Mädchens, das lernen muss, mit ihren Gefühlen klar zu kommen. Ausgestoßen oder nicht akzeptiert zu werden ist sicherlich kein schönes Gefühl. Allerdings sollte man als Opfer jener gesellschaftlicher Gruppierung nicht sich deren Methoden als Vorbild nehmen, um mit den gleichen Mitteln anderen dasselbe Leid zuzufügen – wie es Marie bei Anne im McDonald’s getan hatte. Als Zuschauer wird man sehr schnell in die Geschehnisse involviert, da es Regisseurin Sciamma schon in den ersten Minuten schafft, das Publikum für sich zu gewinnen. Und dafür musste sie gar nicht so viel tun. Was den Film so auszeichnet ist die subtile Herangehensweise sowie der stets ruhige und unsentimentale Grundton, der jeder Herzschmerz-Tragödie aus dem Weg geht. Allerdings kann der Film in gewisser weise auch verstören bzw. sehr beunruhigend wirken. Zu einem gehört da selbstredend die Szene, in der Marie Anne als fettleibig und nervtötend betitelt. Diese kurze Sequenz entwickelt eine so starke Atmosphäre, dass man sich als Zuschauer mehrmals sagen muss – Das ist nur ein Film! So einfach ist es nun aber auch nicht, da der Film sich mit keiner utopischen Fiktion zufrieden gibt, sondern im Grunde nur mit der Kamera fest hält, wie vorurteilhaft, klischeehaft und untolerant die heutige Jugend mit einander umgeht – und das es immer schwierig wird, Liebe einzugestehen oder zuzugeben. Anders als „Die fabelhafte Welt der Amélie“, welcher die Probleme Liebe und Vereinsamung farbenprächtig, lebensbejahend und sehr optimistisch schildert, zeigt „Water Lilies“ nur das, was man als Außenstehender beobachten kann. Wie sich Marie nun mit all ihren Schwierigkeiten fühlt, was sie denkt und wie sie handeln wird, darauf geht der Film in keinster Sekunde ein. Personalisierte Emotionen als auch leicht verfälschte Wahrheiten lässt der Film bewusst außen vor. Céline Sciamma zeigt nur das, was es zu zeigen gibt – und das ungeschönt und so neutral, wie es filmisch realisierbar ist. Und dieser Unterschied hebt diesen Film von den gängigen Liebesfilmen ab. 
„Water Lilies“ ist zwar nicht besser als „Die fabelhafte Welt der Amélie“, aber direkter, trotz der Jungschauspielerinnen erwachsener und neutraler, was dazu führt, dass man als Zuschauer weder Mitleid noch Hass der jeweiligen Charakteren entwickelt. Und genau aus diesem Grund, das der Film durchweg die Neutralität beibehält, ließ mich dazuführen, den Film für meine Verhältnisse die volle Punktzahl zu geben. Denn die Charaktere sind kongenial in Szene gesetzt, das Spiel authentisch und (leider) sehr realitätsnah, die sparsam eingesetzte Musik ist weder manipulativ noch nervig. Im Grunde ist der Film ein tragisches Liebesmärchen – ohne diesen märchenhaften Aspekt. Er ist kalt, rau, karg, intensiv, beunruhigend. Andererseits auf seine ganz spezifische Art auch wunderbar gefilmt und zum Weinen schön inszeniert, denn ein Happy-End gibt es nicht. So etwas gibt es in der Realität auch nicht. Am Ende steht Marie wieder alleine da. Nun, nicht ganz alleine. Und als der Abspann beginnt, möchte man als Zuschauer am Liebsten die kleine, niedliche und schüchterne Marie in die Arme nehmen und leise in ihr Ohr flüstern: „Es wird alles wieder gut!“. Selbst wenn man darauf keine Garantie geben kann.

Frauenpower als – B-Movie Hommage

Hm, wo soll ich anfangen? Achja, ich weiß. Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit, da gab es drei knapp bekleidete Frauen.
 
Hel (Erin Cummings), die selbsternannte Anführerin der Truppe, Camero (America Olivo), die schießwütige Killer-Amazone und Trixie (Julia Voth), das leckere Mäuschen mit den Knusper-Titten.
Drei an sich völlig verschiedene Frauen finden sich inmitten einer ablegenden Gegend in der Wüste wieder.
 
Im Kofferraum ihres Wagens liegt da noch jemand. Gage (Michael Hurst), der irgendeinen, spezifischen (ist das nicht toll? Ich habe gerade eine widersprüchliche Differenzierung angebracht!) Standpunkt preisgeben muss, sonst wird er getötet.
 
Camero ist schon ganz scharf drauf. Sie tut es auch. Obwohl Hel dagegen war. Trixie, die nicht mehr als nur kreischen und gut aussehen kann, fühlt sich von Camero bedrängt, andererseits aber dann bei Hel sicher, da die beiden eine sexuelle Beziehung haben
 

Eine entsprechende Handlung findet im dort sich befindenden Trailer auch statt. Allerdings ist Camero auch in Hel verliebt, was später zu Komplikationen führt. Camero, die ohne hin schon nicht gut auf Trixie zu sprechen ist, wird immer aggressiver, kommt aber nie dazu, Trixie eins reinzuhauen. Und das, obwohl der Film vollgemüllt ist mit trivialen Schlägereien, in der sich vorwiegend nur Frauen in kurzen Kleidern prügeln. 

 

Später erfährt man als Zuschauer, dass quasi die halbe Unterwelt irgendeiner Großstadt hinter Diamanten her sind, die sich dort in dieser abgelegenen Wüste befinden sollen. Allerdings ist Hel gar nicht auf Diamanten aus, sondern auf ein komisches Utensil, deren Sinn und Verwendung selbst nach ihrer pseudo-professionellen Erklärung noch unklar ist. Oder auch total banal. Und weil das nicht schon genug Unfug wäre, kommt ein – selbstredend gutaußender – Cop vorbei, der rein zufällig ein riesen Fan von Trixie ist (die in irgendeinem Strip-Lokal sehr bekannt ist) und insgeheim in sie verliebt ist. Weil Camero immer noch aggressiv und teilweise eifersüchtig auf Trixie ist, bekommt sie die Gelegenheit, einen weiteren durchgeknallten Typen mit seiner irren, asiatischen Begleitperson zu verschlagen. Allerdings hat sie gegen die keine Chance, weil jene Waffen haben. Und das ansich niedliche asiatische Mädchen hat auch einen Jojo. Das ist soweit nicht gefährlich, aber sobald dieser ausgefahren wird, ist er gefährlich. Nein, er ist tödlich. Sagen wir krank. Es ist krank. Und ich merke gerade, dass mir die Lust vergeht, die Story weitgehend interessant wiederzugeben. Im Grunde ist die Story ein plakativ-infantiles Nichts; und doch ist es so schwer, sie nach zu erzählen. Man muss den Film sehen, um zu verstehen, was eigentlich abgeht, auch wenn eigentlich gar nichts abgeht, sondern alles nur auf Frauen-Schlägereien und angehauchte Lesben-Erotik hinausläuft.

 

 

Autor und Regisseur Rick Jacobson versteht sein Werk als eine Hommage an die Sexploitation-Filme der 70er. Das wird vor allem dann deutlich, wenn er beginnt, die drei Hauptdarstellerinnen in Zeitlupe zu filmen, wie sie aus ihrem Wagen aussteigen. Allesamt knapp bekleidet, bedient er sich selbst der lächerlichen Mittel, eine völlig sinnentbehrte und unmotivierte „Wasserschlacht“ der Frauen in Slow-Motion festzuhalten. Das macht relativ schnell deutlich, woraus Jacobson eigentlich hinauswill. Ihm geht es nicht um Story, Charaktertiefe oder gar Standards des Films wie Spannung oder Atmosphäre aufzubauen. So lange seine drei Frauen schwitzend die Schaufeln schwingen und in Zeitlupe ihre Körper sexuell aufreizend bewegen, ist alles gut. Zum Glück (oder auch Pech?) konzentriert er sich aber auch noch auf einen anderen Schwerpunkt. Action. Es gibt teils wirklich lächerliche Szenen, in denen die Darsteller vor recht billigen Spezialeffekten sich gegenseitig abschießen. Und selbst das Blut sieht billig aus. Das kann man nicht mehr als Hommage sehen, sondern eher als einen hingerotzten Film, der sich einen Dreck um  ein künstlerisch hohes Niveau schert. So lange Waffen, Frauen und Titten da sind, ist nach Jacobson für alles gesorgt!

Abgesehen von Logiklöchern, die so groß wie Sanddünen sind (Eine Rakete zerstört den Wagen, in dem Camero sitzt, in tausend Einzelteile. Camero überlebt, nur ein paar Kratzer – und die Frisur sitzt!) und markantem Leerlauf, der sich vor allem dann bemerkbar macht, wenn Jacobson versucht, den Dialog in den Vordergrund zu bringen, besitzt vor allem die Tonspur ein paar nette, orchestral-angehauchte Tracks. Vorallem das Intro und das Finale haben einen Soundtrack, der an größere Vorbilder wie Hans Zimmer oder Howard Shore erinnern mögen. Und auch ist Julia Votz, die die Trixie spielt, ein unglaublich niedlicher Glückstreffer. Auch wenn sie im Film stets dumm agiert und man ihren „wahren“ Charakter nach der finalen, nur teilweise vorhersehbaren Wendung nicht abnehmen kann („Trixie, why?“), besitzt sie weiblichen, mädchenhaften Charme und ihre Stimme ist auch niedlich, vor allem wenn sie ängstlich oder beunruhigt wirkt. Natürlich fällt dieser positive Aspekt nicht ins Gewicht und gen Ende des Films fängt selbst sie an zu nerven, aber es ist angesichts des resultierend katastrophalen Films doch erwähnenswert. Wie bereits angesprochen, beinhaltet der Film einige überraschende Wendungen, manche mehr, manche weniger vorhersehbar, aber keine so überzeugend, bei der man meinen müsste, nun doch gespannt weiterzuschauen. Der Film ist eine gefühlte dreiviertel Stunde zu lang und die repetitiven Schlägereien zwischen Hel und Camero (vor allen gen Ende) gehen ziemlich auf die Nerven, da jene nicht mal besonders originell inszeniert wurden.

Man kann schlussendlich sagen, dass „Bitch Slap“ ein Film ist, der nur rein optisch überzeugen kann. Mit optisch ist hier jedoch nicht das filmisch Visuelle gemeint, sondern wirklich nur die drei Hauptdarsteller, die alle auf ihre eigene Art eine gewisse Schönheit versprühen – allen voran selbstverständlich das leckere Mäuschen Trixie (ich sollte damit wirklich aufhören, es fängt an, peinlich zu werden). Ansonsten kann der Film in keiner Sekunde überzeugen. Das Setting mag stimmen, aber die Story ist so abstrus und unlogisch konstruiert, dass nicht einmal die immensen Logiklöcher stören. Und wenn man während eines Films anfängt zu zählen, wie viele Sandkörner in jener Wüste zu finden sind, ist das ein eindeutiges Zeichen dafür, dass der Film zu lang, zu langweilig und viel zu uninteressant inszeniert wurde. Rick Jacobson hielt es doch tatsächlich für angebracht, seine sexuellen Fantasien auf Film zu bannen. Und wenn bitteschön interessiert das schon?! Uns ganz bestimmt nicht!

Hörst du es knistern?

 


"Du willst einen Genozid mit Fahrstuhlmusik unterlegen?"
 
"Zombie"-Filme gibt es in Übermaß! Egal in welcher Variation, Ausführung oder Grundthematik behandelt diese Art von Genre eigentlich stets dasselbe Thema – Überleben und das Herausfinden der Ursache.
 
Hartgesottene Cineasten und pseudo-tiefgründig studierende Filmbegeisterte schreiben dieser Art von Film teilweise auch diverse satirischen Spitzen zu und loben sie über den Tellerrand meist auch als gesellschaftskritische Spaltung der aktuellen, politischen oder moralischen Situation. Eine leichte Übertreibung ist hier nicht zu übersehen, jedoch trifft diese Lobhuldigung auf den einen oder anderen Streifen durchaus zu – wenn auch nicht auf den größten Teil der Maße.

Mit Sicherheit hat das Werk "28 Days Later" von Danny Boyle eine reflektierende Funktion und auch pisst "Dawn of the Dead" (Original und Remake) der Gesellschaft ohne Rückhalt mit voller Elan ans Bein.  Jedoch sind die meisten B-Horror-Filme oder andere Werke, welche sich mit der Bezeichnung "Zombie-Film" schmücken, in der Regel nur auf Splatter und drastische Gewaltszenen aus, ohne wirklich eine subversive Botschaft zu übermitteln. Natürlich wollen alle irgendwie kritisch rüberkommen, doch klappt das bei den meisten nicht und über das Blutvergießen kommen sie dann doch nicht. Selbst hat er große George A. Romero in letzter Zeit etwas nachgelassen. So konnte man "Land of the Dead" noch als plakativ-gesellschaftlichkritischen Verweiß auf die Rolle der Machtkonzerne und Reichen verstehen, jedoch war in dem Teil diese Kritik selbst dem Laien schnell bewusst. Das Thema "Diary of the Dead" fangen wir erst gar nicht an, in dem Romero versuchte, auf den "Handycam-Look"-Zug aufzuspringen. Allerdings gehören Filme wie "Mutants", "Doomsday" und "Day of the Dead" (2008 von Steve Miner) nicht mehr zu der Sparte, die versuchen, was anzuprangern. Und da fast jährlich neue Filme dieses leider missverstandenen Genres erscheinen, hat das ganze doch seinen Glanz und Reiz verloren, da so gut wie jeder neue Zombie-Film nach dem selben Schema abgefilmt wird. 

Doch nun kam "Pontypool" von Bruce McDonald, welches 2009 am Fantasy Film Fest Premiere feierte. 
 
"Pontypool", das den deutschen Zusatztitel "Radio Zombie" trägt, ist ein kanadischer Film zum eben oben besprochenen Thema "Zombie-Film". Die Story ist im Grunde recht simpel und erscheint nicht gerade spektakulär. In dem abgelegenen Ort Pontypool tritt eines Morgens – am 14. Februar (Valentinstag) – eine Art Epidemie aus, welche die Menschheit dazu veranlagt, nun andere Menschen zu jagen, zu essen und zu malträtieren. In diesem Ort gibt es auch eine kleine, privatbetriebene Radio Station, die 3 Mitarbeitet umfasst – Grant Mazzey, der Radio-Moderator (Stephen McHattie), Sydney Briar, die Chefin (Lisa Houle) und die Newcomerin und Assistentin Laurel-Ann Drummond (Georgina Reilly). Während das Trio die obligatorische Radio-Sendung vollzieht, bekommen sie im Grunde live mit, wie sich die Bevölkerung des Städtchens merkwürdig benimmt. Mit Live-Zuschnitten zur Radio-Station bekommen sie nur auditiv mit, was sich dort draußen abspielt. So berichtet der außenstehende Posten Ken Loney, wie er die Explosion des Krankenhauses beobachtet, und mit dabei zusehen muss, wie eine Horde wildgewordener Menschen Personen aus einem Auto zerren und sie bestialisch auseinanderreißen. Während die drei in der Radio-Station dies anfangs noch für einen dümmlichen Scherz halten, bekommen sie es dennoch im Laufe der Zeit mit der Angst zu tun, da sie immer mehr Telefonate erhalten und es bald selbst in den eigenen Reihen zu Ungereimtheiten kommt… Gen Ende kommt dann noch eine vierte Person hinzu, der Arzt Dr. Mendez, welcher einen wichtigen Beitrag zur Rätsels Lösung beisteuert. Der Clou der Sache wird jedoch hier ausnahmsweise nicht gesagt!
 

 
Bruce McDonald, Regisseur des schwer unterschätzen Episodenwerks "Tracey Fragments", verfilmt den Roman von Tony Burgess, welcher selbst das Drehbuch zu diesem Film verfasste. Anstatt mit vordergründigem Splatter vertraut er hier ganz auf die Kraft und Auswirkung der Fantasie des Zuschauers. Gezeigt wird so gut wie gar nichts; wer hier auf einen harten Splatter-Schocker hofft, wird vergeblichst enttäuscht werden, denn mehr als ein paar blutverschmierte Scheiben bekommen ihr hier nicht zu sehen. Der Film wird wie ein Kammerspiel aufgebaut, agiert auch teils wie eines, ist es aber im Grunde doch nicht, selbst wenn hier – für einen Horrorfilm – erstaunlich viel geredet wird, was jedoch nicht unbegründet ist. Während die ersten 20 Minuten recht entspannt inszeniert sind und den Charakteren genügend Tiefe eingehaucht wurde, fängt die Spannung langsam an, sich kontinuierlich aufzubauen. Aufgrund der geraden tristen und kahlen Location und der simplen, aber kongenialen Idee, das Geschehen nur mitzuhören, schafft es McDonald doch tatsächlich, eine dichte und sehr bedrückende Atmosphäre aufzubauen, welche in diesem Genre nur selten zu finden ist. Erstaunlich ist auch, dass es ihm durchaus gelingt, einen gewissen Grad des Ekelfaktors zu erreichen, ohne auch nur ein einziges Mal eine Tötung zu zeigen (nicht mal anzudeuten!). Gemeint ist hier die detaillierte Schilderung des Außenpostens Ken Loney, die die Fantasie des Zuschauers manipulativ anregt und den kranken Gedankengängen somit freie Bahn lässt. Diese Szene ist gerade deswegen so fesselnd, weil man nur sein Atmen und seine Beschreibungen hört, während es in der Radio Station totenstill ist. Eine Totenstille, die eine unglaubliche Atmosphäre aufbaut, während Ken mit leicht modulierter, keuchender Stimme meint, dass das kurz zuvor getötete Mädchen, deren Knochen allesamt gebrochen sind, ihn direkt anschaut und leise etwas flüstert. Das ist angsteinflößend, bedrückend und auf eine gewisse Art auch irre spannend. Spannung wird hier nicht durch Sehen und Zeigen, sondern durch Hören und Erklären erzeugt. Spannung, die mehrmals den höchsten Pegel erreich; da verzeiht man gerne ein paar klischeehafte Äußerungen und Taten. Der Punkt jedoch ist – und das macht den Großteil der Bewertung aus – dass selbst in den Zeiten, in der die Produzenten sich im ersinnen neuer Sadismen versuchen stets selbst zu übertreffen, es doch noch ein paar Mutige gibt, die es sich trauen, nur auf die Kraft simpler, unspektakulärer Mittel vertrauen – und somit auch noch gewinnen!
 
Da der Clou – und somit auch das Ende – nicht verraten wird, lässt sich nur eins sagen – es ist verwirrend, am Anfang sehr lächerlich, aber man muss sich sagen, es ist innovativ, kreativ – und wurde so noch nie angewandt. Dem "Zombie"-Genre wurde eine neue Möglichkeit einer Ursache beigefügt, denn die Auflösung in "Pontypool" gab es so definitiv noch nie. Schlussendlich kann man sagen, dass dieses Werk ein nettes Filmchen ist, dass man durchaus ernst nehmen sollte, welches jedoch in puncto Gewalt sehr mager ausfällt, aber dieses "Manko" (ich sehe es nicht als Manko, aber das Genre schreibt es wohl so vor; hat keine Auswirkung auf die Bewertung, sprich wird nicht als Negativ-Punkt berücksichtigt!) wird durch starke Atmosphäre, einen hohen Spannungsaufbau und dem soliden und überzeugendem Schauspiel mehr als kompensiert. Während Zack Snyder, George A. Romero & Co. den Zuschauer mitten ins Geschehnis werfen, belässt es McDonald bei der Unwissenheit. Was nun besser ist? Entscheidet selbst. Ich finde beide Varianten interessant, jedoch kommt es doch schlussendlich immer auf die Inszenierung und gesamten Aufmachung an. 
Bruce McDonald's "Pontypool" überzeugt, ist etwas über dem Durchschnitt und kann trotz der etwas konfusen, aber verblüffenden Auflösung von sich behaupten, einen der vielleicht innovativsten Zombie-Filme der letzten Jahre produziert zu haben. Darüber hinaus ist es vor allem Anfangs erfreulich sarkastisch und voller schwarzem Humor, das den Film jedoch nicht in die Lächerlichkeit zieht. Habe ich eigentlich schon gesagt, dass die beiden weiblichen Darstellerinnen auch optisch überzeugen? Zu schade, dass…ach, seht selbst.
Oder wie Dreadcentral.com sagt: "Spannend, schockierend und intensiv!" (Cover-Text). Dem ist im Grunde nichts hinzuzufügen!